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Der gemachte Feind

Möchtegern-Dschihadisten werden von Geheimdiensten gezüchtet, von der Polizei verhaftet und von Gerichten verurteilt. So bekommen Leitmedien immer wieder Anlass zur Verbreitung der Fiktion einer terroristischen Bedrohung. Diese kostenlose Werbung der Leitmedien für al-Qaida und den Islamischen Staat wird weitgehend verkannt. Versucht wird damit, die vermeintliche Macht, die Kompetenz und den Ehrgeiz dieser Scheinorganisationen aufzuwerten. Sie sollen als Feind Nummer eins der Zivilisation gelten. In dieser Kampagne spielen auch doppelzüngige Hassprediger, Agents Provocateurs und pro-israelische Einrichtungen eine bedeutende Rolle.

Hassprediger und Anwerber

Die Rolle und die Funktion von Hasspredigern bestehen im Generieren von “Dschihadisten”, die entweder am militärischen oder am Online-Dschihad teilnehmen. Hassprediger arbeiten in der Öffentlichkeit und suchen sogar mediale Aufmerksamkeit durch provokative Aktionen. Anwerber hingegen arbeiten diskret, gemeinsam mit Geheimdiensten.

Die Methoden der Anwerbung zum Dschihad hat Geschichte. Sie begann in den 1980er Jahren, als die CIA mit der Hilfe Saudi Arabiens und anderer arabischer Staaten ein weltweites Netz von Anwerbern aufbaute, wie zum Beispiel das Rekrutierungsbüro Maktab al-Khidmat lil-mujahidin al-Arab (MAK), das Freiwillige zum Kampf in Afghanistan gegen die sowjetische Besatzung anwarb.

Allein in den USA wurden 30 Zentren zur Anwerbung von Kämpfern gegründet und hohe Summen deponiert. Bereits dort erhielt ein Teil der Angeworbenen eine militärische Ausbildung durch das FBI. Über den Aufbau dieser “Fremdenlegion” ist bereits viel geschrieben worden. Deren Söldner, auch als “Arab-Afghanen” bezeichnet, stellten nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan ein Reservoir von arbeitslosen Kämpfern dar, die in Bosnien, im Kosovo und in Tschetschenien von westlichen Geheimdiensten gegen Serbien und Russland eingesetzt wurden. Diese Geschichte wiederholte sich in den vergangenen Jahren mit dem plötzlichen Erscheinen des “Islamischen Staates” (IS).

Die Saga des Deutsch-Syriers Muhammad Haydar Zammar illustriert bestens diese geheimdienstlichen Vorgänge: Nach seiner Kampferfahrung in Afghanistan und Bosnien kehrte er nach Deutschland zurück, beteiligte sich an der angeblichen Radikalisierung der sogenannten Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta und soll Mitglieder dieser Gruppe für eine kurzzeitige Ausbildung in Afghanistan angeworben haben.

Zammar war den deutschen Ermittlern gut bekannt beziehungsweise arbeitete in ihrem Auftrag. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 wurde ihm von höchster Stelle “gestattet”, von Deutschland nach Marokko auszureisen, damit er nicht für Aussagen im Gerichtsverfahren gegen Mounir al-Motassadeq zur Verfügung stehe. Er hätte sonst seine Rolle als Anwerber zugeben müssen. Später wurde er dann von der CIA mithilfe des marokkanischen Geheimdiensts nach Syrien verschleppt. Die deutschen Behörden bestritten, von diesen Machenschaften etwas gewusst zu haben, wollten ihn aber nicht nach Deutschland zurückzubringen. Stattdessen besuchten deutsche Ermittler ihn in Syrien, um ihn zu vernehmen. Die Protokolle ihrer Vernehmungen sind bis heute Verschlusssache.

Das Dossier Zammar war politisch so brisant, dass es das Bundeskanzleramt beschäftigte und dessen damaliger Chef Frank-Walter Steinmeier sich mit dem Fall intensiv befasste. Interessierte können Zammars verblüffende Saga teilweise in einem Bericht des BND-Untersuchungsausschusses des Bundestages nachlesen.

Seit 2001 gibt es einige bekannte Fälle von Hasspredigern und Anwerbern, die mutmaßlich im Auftrag oder zumindest mit der Duldung der Geheimdienste arbeiten.

Hassprediger Yahia Youssif suchte nicht die Öffentlichkeit, da er gleichzeitig Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) war. Laut Ewald T. Riehtmüller (CDU) vertrat Youssif sogar das LfV auf einer Islamkonferenz in London. Als seine Doppelrolle aufflog, verließ er Deutschland.

Ein anderer geduldeter Hassprediger, der mutmaßlich ebenfalls in Hamburg Atta geholfen haben soll, war der Marokkaner Mohammed Fisasi oder Fazazi (14). Auch er verließ ganz brav die Bundesrepublik, wurde aber in seiner Heimat dann aus anderen Gründen verhaftet. Allerdings kam er im Jahr 2011 wieder auf freien Fuß.

Die Salafisten Yassin Oussaifi, Sven Lau und Pierre Vogel werden immer wieder verdächtigt, im Auftrag des Verfassungsschutzes zu arbeiten beziehungsweise gearbeitet zu haben. Sven Lau wurde, der Anwerbung eines jungen Menschen zur Teilnahme an Kämpfen des Islamischen Staates in Syrien zu beschuldigt, was er bestreitet.

Auch in Großbritannien tummelten sich über Jahre hinweg Hassprediger im Schutz der Geheimdienste. Sie wurden weitgehend von den Medien durch Interviews aufgewertet. Ajem Chodary, der einst zur Ermordung des Papsts aufrief, pflegte anscheinend gute Beziehungen zu US-amerikanischen Medien, denn die konservative Zeitung USA Today bot Chodary schon am Tag des Pariser Anschlags auf Charlie Hebdo an, seine Meinung dazu zu publizieren. Der Beitrag erschien am nächsten Tag. Chodary rechtfertigte die Anschläge im Namen des Islam!

Hassprediger spielen eine doppelte Rolle in der Mythenpflege:

Erstens sorgen sie für die ideologische Bereitschaft junger Muslime, sich dem Dschihad anzuschließen.

Zweitens stellen sie für die Medien die ideale Erscheinung des hinterlistigen, verschwörerischen Islamisten zur Schau.

Durch inszenierte Aktionen in der Öffentlichkeit und ständig publizierte Ermittlungsverfahren erhalten die Salafisten Sven Lau und Pierre Vogel eine ständige Gratiswerbung, von der sogar Spitzenkünstler, weltberühmte Wissenschaftler, Menschenrechtler oder Friedensaktivisten nur träumen können. Leitmedien kündigten sogar Vorlesungen von Pierre Vogel an!

In einem einzigen Jahr wurden, laut der Datenbank Nexis, Pierre Vogel 532 Mal und Sven Lau 390 Mal in deutschen Medien erwähnt, der deutsche Chemie-Nobelpreisträger 2014 Stefan Hell dagegen lediglich 70 Mal und der Menschenrechtler Rolf Gössner nur 14 Mal. Diese Statistik deutet auf eine offizielle Strategie hin, diese Salafisten und den Dschihad aufzuwerten.

Sogenannte dschihadistische Medien

Al-Qaida und der Islamische Staat beziehungsweise deren Ableger sollen professionelle Propagandafilme und Magazine produzieren, die nicht nur zum “Heiligen Krieg”, sondern zur “Schlachtung aller Ungläubiger” aufrufen. So soll der IS zum Beispiel die Glanzzeitschrift Dabiq in Englisch und Dar al Islam in Französisch herausgeben sowie eine Nachrichtenagentur namens Amaq oder Amak betreiben. Jeder kann diese Zeitschriften von den Webseiten der US-amerikanischen Vertreiber herunterladen und sich damit einen Eintrag in der Datenbank des Bundesverfassungsschutzes erwerben.

Beide Zeitschriften zeichnen sich durch eine hochgradig grafische Qualität aus, die auf ein Studium der Designer bei den besten Werbeagenturen hindeutet. Diese Zeitschriften beinhalten gruselige Bilder von Enthauptungen und lange Aufsätze zur Berechtigung der Sklaverei mit Zitaten aus dem Koran. Damit wird beabsichtigt, den Islam mit dieser Barbarei in Verbindung zu bringen. Al-Qaida soll ihrerseits ein Medienhaus namens as-Sahab, den “Terroristenverlag” GIMF leiten und die Zeitschrift Inspire herausgeben.

Auf eine Anfrage erklärte der Spiegel-Journalist Christoph Reuter sinngemäß, dass es für Verlautbarungen des Islamischen Staates keine exklusive Quelle gebe, sondern diese würden von verschiedenen Instanzen aufgegriffen. Amaq betreibt übrigens keine Webseite, besitzt keine E-Mail-Adresse und ist über Telefon nicht erreichbar. Eine Nachrichtenagentur, deren Existenz nicht nachgewiesen werden kann, gilt als Fiktion. Reuter sagte auch, dass deutsche Journalisten sich aus Gründen der Arbeitsteilung auf ungenannte arabische Kollegen verließen, die das Internet ausspähten und die medialen IS-Produktionen irgendwo fänden, bevor diese rasch wieder verschwänden. Seine Antwort bestätigt, dass sich deutsche Medien in ihrer Berichterstattung über den IS trotz der Undurchsichtigkeit des Informationsflusses auf dubiosen Quellen verlassen. Dass Journalisten damit den deutschen Pressekodex verletzen (2. Sorgfalt), scheint niemanden zu stören.

Zwei Aspekte bilden den gemeinsamen Nenner dieser “dschihadistischen” Schriften:

Erstens ist der Standort der Produzenten nicht bekannt. Sie betreiben keine Webseiten und haben keine Kontaktadresse. Es ist daher unmöglich, ihre wahre Identität festzustellen, obwohl die herrschenden Medien ihre Produkte als waschecht zitieren.

Zweitens werden dschihadistische Schriften und Videos nicht von Afghanistan oder Syrien aus vertrieben, sondern zufälligerweise von pro-israelischen Firmen, die sich in den USA befinden.

SITE Intelligence Group verbreitet an ihre Abonnenten hauptsächlich dschihadistische Reden, Bekennermeldungen und Videos.

Clarion Project betreibt die Zeitschrift Dabiq, die dem Islamischen Staat zugeordnet wird.

Die Firma Jihadology gibt die Zeitschriften “Dar al Islam und Inspire”, die Al-Qaida zuzuordnen sind.

Wer der Spur zu diesen Medienprodukten folgt, stößt immer wieder auf diese Firmen, die anscheinend Exklusivrechte zum Vertrieb von Al-Qaida und des IS besitzen. Da diese Firmen die Echtheit der von ihnen vertriebenen Produkte garantieren müssen, ist davon auszugehen, dass sie enge Kontakte zu ihren mysteriösen Lieferanten pflegen. Ein Schelm, wer dabei an die Labore der CIA denkt.

Übrigens gelang es dem V-Mann des deutschen Bundesverfassungsschutzes Irfan Peci junge Menschen zu ködern und dschihadistische Videos im Internet zu verbreiten. Die Videos riefen Muslime zum bewaffneten “Heiligen Krieg” auf oder zeigten Gräueltaten. Parallel dazu versuchte SITE-Mitbegründer Joshua Devon unter einem Tarnnamen, einige jugendliche Muslime in Deutschland zu gerichtsreifen “Terrorverdächtigen” aufzubauen. Devon stellte ihnen dafür einen Server frei zur Verfügung und half ihnen bei der Beschaffung von Software. Das FBI, das Bundeskriminalamt (BKA) und der Bundesnachrichtendienst (BND) wussten von dieser Verschwörung.

Laut der Frontal21-Sendung und der Recherchen von Elmar Theveßen soll der BND die dubiose SITE sogar beauftragt haben, diese logistische Unterstützung zu leisten. Die acht jungen Leute wurden dann verhaftet und vom Oberlandesgericht München zu Haftstrafen verurteilt. Die Drahtzieher wurden nicht mal angeklagt. Wer hinter SITE, Clarion Projekt und Jihadology steckt, bleibt im Dunkeln. Sind es jene Kreise, die es am 11. September 2001 schafften, die Zwillingstürme in New York mitsamt Inventar und 1.120 Menschen in feinen Staub zu verwandeln?

Dass die dschihadistischen Medienprodukte sich großer Beliebtheit bei den herrschenden Leitmedien erfreuen, äußert sich in deren Bereitschaft, für diese kostenlos zu werben. So wurde zum Beispiel die neueste Ausgabe von Dabiq zwischen dem 28. Juli und dem 5. August 2016 unter anderen in folgenden 44 Leitmedien weltweit zitiert: Asharq Alawsat, Bild Zeitung, Boa Informação, Canberra Times, Corriere della Sera, Courrier International, Cyprus Mail, Daily Star Online, Diario De Yucatan, DNA India, El Espectador, El Nacional, Express Online, Folha De Spaulo, Fox News, Ha’aretz, Het Laatste Nieuws, Hindustan Times, Il Giorno, Il Resto del Carlino, Irish Mirror, Jornal de Estado, Jornal de Piracicaba, La Nazione, La Rioja, La Stampa, Le Figaro, Mail Online, Nederlands Dagblad, NRC Handels- blad, Reformatorisch Dagblad, Reuters USA, SDA, Sur, Tages-Anzeiger, Thai News Service, The Guardian, The Independent, The Vancouver Sun, Valeurs actuelles, Voice of America, Zeit Online.