Logo
Cover

Die Sesamstrasse ist weiter als die Tagesschau

Während im Kinderprogramm die erfolgreiche Serie SESAMSTRASSE für Kinder im Vorschulalter bereits seit Januar 1973 tapfer nach dem »Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb?« sogar nach dem »Warum« gefragt wird, schweigt die Tagesschau eisern, wo Fragen dringend geboten wären. Typisches Beispiel ist die Affäre rund um die “CRYPTO AG”, ein Laden, der vom deutschen Bundesnachrichtendienst BND und der US-amerikanischen CIA 1970 gekauft und von der Siemens AG gesteuert wurde.

SESAMSTRASSE

Zwar berichtete die ARD-Nachrichtensendung unter der Überschrift “Ein einmaliger Skandal” darüber, dass die Geheimdienst-Firma aufgeflogen war, hüllte sich aber sonst in Schweigen. Sogar über die Millionenprofite wurde berichtet. Auch über die schwarzen Kassen des BND musste die regierungsamtliche Sendung inzwischen berichten, nachdem sie jahrelang von nichts zu wissen schien. Aber die spätestens jetzt notwendigen Fragen wurden nicht gestellt.

Ein Fragenklassiker wäre der nach der Versteuerung des Geldes gewesen, denn nur so könnte man den mafiösen Zu- und Umständen der miesen Abhöraffäre auf die Spur kommen. Doch die Hamburger Redakteure schweigen. »Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt bleibt dumm« weiß das Kinderlied, zugleich Motto und Titelsong der SESAMSTRASSE, zu singen und wer jetzt die ARD-Radakteure meint, der kennt nur die halbe Wahrheit. Dumm bleiben sollen vor allem die Zuschauer, die man bisher im Dunkeln über das Drumherum läßt.

Das »Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum?« wird mal wieder nicht recherchiert, denn eine wesentliche Tugend des Journalismus, gute Fragen zur Aufklärung zu stellen, scheint die Hamburger Gurkentruppe nicht zu kennen. Dabei hätte man das Kanzleramt fragen können - und müssen; auch die Frage an die Strafjustiz stellen, wann denn jene Verantwortlichen in den Knast gehen, die gemeinsam mit den US-Behörden über Jahrzehnte die Bundesbürger bespitzelt haben.

Statt knallharte Fragen nach der Rolle der Türkei zu stellen, erzählt die Tagesschau über eine sogenannte “Rebellenhochburg” in Syrien. Hier verstellt bereits das Wording, der Sprachgebrauch, die richtigen Fragen. Denn was da so romantisch “Rebellen” genannt wird, ist nichts anderes als der Tarnname für Khan al-Assal, Söldner des Emirat Kaukasus oder die islamistische Partei Turkestans. Diese Terrorgruppen gehören zu den Einheiten rund um den syrischen Ort Idlib.

In dieser Gegend setzt die türkische Armee zu einer Offensive an und droht mit “Vergeltungsschlägen”. Jetzt wären eigentlich interessante Fragen an das deutsche Außen- und Verteidigungsministerium fällig, z. B.: Wie ist das deutsche Verhältnis zum NATO-Partner Türkei, die in Syrien zur Ausweitung des Krieges beiträgt? Doch die Tagesschau-Redaktion stellt die Fragen nicht, die ja auch die Frage aufwerfen würde, was Deutschland eigentlich in der NATO macht und wie lange es denn noch in diesem aggressiven Militärbündnis verbleiben will?

DAS ERSTE - betreutes Denken

Jeder denkt, jetzt endlich kommt die journalistische Frage, denn unter der Überschrift “Beratung zu NS-Opfergruppen - Endlich Anerkennung für enormes Leid” fällt der Tagesschau auf, dass auch Arbeitslose und Obdachlose zu Opfern des Naziregimes wurden und in die Konzentrationslager verschleppt wurden.

Aber konsequent, wie schon seit mehr als 70 Jahren existieren in der deutschen Öffentlichkeit die sowjetischen Kriegsgefangenen nicht. Da will die Tagesschau auch lieber nicht nachhaken. Von den 5,7 Millionen wurden 3,3 Millionen durch Arbeit und Hunger vernichtet. Die Tagesschau wagt nicht mal die Frage zu stellen, wo denn die Erinnerung an die Lager sind. Überall im Land gab es sie, doch bis heute erinnert fast nichts an die deutschen Mordmaschinen, denen die Völker der Sowjetunion zum Opfer fielen.

Nutzer der öffentlich-rechtlichen Medien

Das Schweigen lastet auch auf der ARD wie ein Sargdeckel.

Ralf Borchard vom Bayerischen Rundfunk, der seit dem 1. Sept. 2012 von Wien aus die Redaktionen in den ARD-Sendern aus ganz Südosteuropa mit Audio-Berichten beliefert, wird ganz redselig wenn er in einem Kommentar vom 16. Februar agitiert: “Außenpolitik Deutschland darf sich nicht mehr wegducken”. Was Burchard kaum getarnt sagt: Die Deutschen sollen mehr für die Kriegsvorbereitung tun. Hier stellt die MACHT-UM-ACHT die längst fälligen Fragen:

Alles Fragen, die sich viele Zuschauer stellen und auf die sie keine Antwort bekommen.