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Rodung ist unverzeilich

Die Überschrift klingt sehr nach Merkel in Südafrika. Doch wenn wir ehrlich sind, müssen wir erkennen, dass sich mit Merkel nur die Spitze des Eisbergs über die Wogenkämme der stürmischen See eines neuen Demokratieverständnisses erhoben hat.

Was ist das Roden eines Waldes?

Das Roden eines Waldes ist das Roden eines Waldes. Nicht mehr und nicht weniger. Im Ergebnis sind Bäume weg und anders nutzbare Flächen da.

Deforestation is unforgivable

In Deutschland, der Urheimat der Waldromantik, ist der Wald selbst bereits ein “Frame” innerhalb dessen alles Denken und Handeln automatisch einem Werturteil unterworfen wird.

Im Walde leben Rotkäppchens Großmutter, der böse Wolf und der wackere Jäger. Bambi, wiewohl in den USA sozialisiert, tritt aus dem dichten Tann auf die lichte Lichtung und erobert die Herzen im Sturm. Eichendorff hat den deutschen Wald in Grund und Boden gedichtet und mit seiner Wahrnehmung der Loreley zu einem verhexten Gebiet gemacht:

Waldgespräch

“Es ist schon spät, es wird schon kalt, Was reitst du einsam durch den Wald? Der Wald ist lang, du bist allein, Du schöne Braut! Ich führ dich heim!”

“Groß ist der Männer Trug und List, Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist, Wohl irrt das Waldhorn her und hin, O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.”

So reich geschmückt ist Roß und Weib, So wunderschön der junge Leib, “Jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei! Du bist die Hexe Lorelei.”

“Du kennst mich wohl – von hohem Stein Schaut still mein Schloß tief in den Rhein. Es ist schon spät, es wird schon kalt, Kommst nimmermehr aus diesem Wald!”

Joseph von Eichendorff

Und es ist auch wie verhext!

Da, wo die Rodung eines Waldes längst planmäßig vorgesehen und zweifellos genehmigt und gerichtlich bestätigt ist, wachsen den Bäumen im Wald Baumhäuser, mit Aktivist_Innen dr_Innen, die von hoch droben Fäkalien auf Polizisten werfen, weil man die an diesem Ort für Schweine, Bullenschweine, hält und sie vertreiben will.

Deforestation is unforgivable

Politisch ist der Hambacher Forst ein Minenfeld, in dem sich LINKE und Grüne, auch die SPD so frei bewegen, als hätten sie eine Minenausweich-App auf dem Smartphone, während die Unionisten, aus Angst, auf eine Mine zu treten, flehentlich darum bitten, doch bloß nicht allzu ernst genommen zu werden. Man werde das schon irgendwie regeln, mit der Rodung: “Ich behalt den Erhalt von Baum und Wald im Interesse meiner Wiederwahl schon im Auge, wohlgesonnener Umwelt- und Naturschützer nebst w und d!”

Da, wo die Rodung eines Waldes ebenfalls vorgesehen und genehmigt ist, wo aber nicht die Aktivisten den Wald vom Baum herab besch_ützen, sondern ein Gericht, einer Klage folgend, ein vorläufiges Rodungsverbot erlassen hat, da erhebt sich unter den Unionisten und ihnen nahestehenden Kreisen das, was man nur mit “diametral entgegengesetzt” treffend bezeichnen kann, nämlich eine nachgerade rodungswütige Stimmung, mit der die Volksseele zum Kochen gebracht werden soll. Peter Altmaier (CDU) warnt vor dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands (Das ist hirnverbrannt! Seit wann sind Musk und Tesla “Deutschland”?) und meint, diese Fabrik in den Wald zu setzen, sei von großer Bedeutung für den Klimaschutz.

Deforestation is unforgivable

Carsten Linnemann (CDU), das als Mittelstandsvertreter getarnte Sprachrohr der Rendite-Interessen des Kapitals, fordert die rigorose Einschränkung der Bürgerbeteiligung, vor allem das Verbauen des Klageweges, um sich nicht länger vor den Brüdern im Geiste auf der international-globalistischen Bühne blamieren zu müssen. Die Nachricht ist hier zu finden.

Lassen Sie uns gemeinsam der Frage nachgehen, was Elon Musk bewogen haben könnte, eine Automobilfabrik gigamäßigen Ausmaßes in den brandenburgischen Sand zu setzen?

Da gibt es insgesamt drei Argumente, die aus seiner Sicht dafür sprechen:

  1. Nirgends sonst auf der Welt ist unter den Arbeitskräften soviel automobiler Sachverstand zu finden, wie in Deutschland. Wenn also aus den Showroom-Teslas irgendwann wirklich zuverlässige, langlebige, TÜV-sichere und straßentaugliche Autos werden sollen, dann wird das am besten mit Hilfe derjenigen gelingen, die bei Daimler, Volkswagen, Audi, BMW und OPEL mit täglich wachsender Angst vor dem Jobverlust nach einem sicheren Hafen suchen.

  2. Die so geschaffene Qualität erhält mit der Produktion in Deutschland automatisch den immer noch glänzenden Stempel “Made in Germany”, was einen wirklich unbezahlbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber allen Asiaten darstellt.

  3. Und, last but not least, wenn die deutsche Politik aus lauter Angst vor den Kommissaren und Räten in Brüssel schon so blöde ist, die eigene Automobilindustrie standhaft nicht zu fördern, ja noch nicht einmal wenigstens zu schützen, und stattdessen ausgerechnet ausländischen Investoren mindestens drei-, wenn nicht gar vierstellige Millionensummen als Subventionen in den Hintern schiebt und alle denkbaren juristisch-bürokratischen Hintern Hindernisse für deren freie Entfaltung in vorauseilendem Gehorsam aus dem Wege räumt, dann können einem als Mensch zwar bei Betrachtung des Leidens der so regierten Deutschen die Tränen kommen, als Unternehmer darf man sich davon aber nicht hinreißen lassen, sondern muss eiskalt seine Chance ergreifen.

Um das “soziale” Walten des ausländischen Investors, (Sozial ist, was Arbeit schafft!) der Arbeitsplätze schafft, ins rechts Licht zu rücken, erinnere ich hier noch einmal daran, was der Sinn und Zweck einer Investition ist.

Die Investition muss es erlauben, so viele Gewinne zu entnehmen, dass das ursprünglich eingetzte Kapital möglichst bald wieder herausgezogen ist (das nennt man Amortisation) und danach ohne weiteren Kapitaleinsatz so lange wie sinnvoll möglich hohe Gewinne abwirft (das nennt man Rendite).

Das heißt ganz konkret: Wenn in der nach der Rodung entstandenen brandenburger Wüste Automobile für den europäischen Markt gebaut werden, dann wird ein Teil der Kaufkraft der europäischen Kunden als Elon Musks Gewinn aus dem Wirtschaftsraum der EU verschwinden und sich in Banken auf verschwiegenen Eilanden wiederfinden.

Deforestation is unforgivable

Auslandsinvestitionen sind die zeitgemäße Form des Kolonialismus.

Auslandsinvestitionen bluten die Wirtschaft des Landes aus, in dem sie getätigt werden. Die Belebung des Arbeitsmarktes und die Zunahme der Beschäftigung ist nur ein in Kauf zu nehmender Nebeneffekt, der jedoch niemals ausreicht, den Liquiditätsabfluss in die Kasse des Investors, also in einen fremden, in der Regel konkurrierenden Wirtschaftsraum zu kompensieren.

Man muss Globalist sein und die Welt als eine Ansammlung von Standorten betrachten, in der Begriffe wie Nation oder Volk schlicht nicht vorkommen, um den Schluss zu ziehen: Ausländische Investoren tragen dazu bei, dass der Wohlstand weltweit steigt.

Das Gegenteil ist der Fall: Ausländische Investoren bremsen die Entwicklung des Wohlstandes der Volkswirtschaften, weil sie ihnen Liqudität entziehen und damit die Notwendigkeit von wachsender Neuverschuldung oder weiterer ausländischer Investitionen erzeugen, was unter dem Strich auf dasselbe hinausläuft.

Eine zeitlang konnte man davon ausgehen, dass sich dieses Wissen aus den Anfängen wirtschaftspolitischer Aktivitäten der Union, aus der Verehrung für den Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, wenigstens in den Reihen der Werte-Union erhalten hat und eventuell irgendwann gegen die in der Regierung dominierende globalistische Verschwörung (vielleicht ist es nicht einmal eine Verschwörung, sondern nur eine kollektive geistige Verirrung) noch einmal einen Sieg davontragen könne.

Unglücklicherweise ist es den “Verschwörern gegen Volk und Nation” nun gelungen, die Köpfe der Werteunion in einer konzertierten Aktion auch ohne die unbemannt am Himmelszelt operierenden Guillotinen der Neuzeit, mit nichts als Worten und leeren Drohgebärden abzuschlagen, was ein bezeichnendes Licht darauf wirft, wie verwelkt die Union insgesamt sein muss, wenn schon ihre konservativsten Vertreter vom leisesten Windhauch flachgelegt werden können.