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Waffen für Libyen

Am 24. Januar verliess ein Schiff namens “Bana” den türkischen Hafen Mersin. Vier Tage später verschwand es von den Tracking Sites, weil es seinen Transponder abgestellt hatte. Am ursprünglich angegebenen Ziel in Tunesien kam es nie an. Stattdessen tauchte es am 29. Januar im Hafen von Tripolis wieder auf, das konnte “BBC Africa Eye” anhand von Satellitenbildern nachweisen.

Eskortiert wurde die “Bana” von einer Militärfregatte, wie sie nur von der türkischen Marine benutzt wird. Geladen hatte das Schiff unter anderem Flugabwehrgeschütze, gepanzerte Fahrzeuge und Kanonen. Das zeigt ein Video aus dem Laderaum, das am 30. Januar auf Twitter geposted wurde. Dass dieses tatsächlich von der “Bana” stammt, konnte die “BBC” anhand anderer Bilder ebenfalls nachweisen.

Nur Tage nach der Berliner Friedenskonferenz

Die Fahrt geschah nur Tage nach einer lange vorbereiteten Friedenskonferenz in Berlin, die sich so schon Tage später als Fehlschlag erweisen sollte. Das Treffen mehrerer Staatschefs am 19. Januar hatte das Ziel gehabt, Waffentransfers nach Libyen zu stoppen. Sonst, da waren sich die Beteiligten scheinbar einig, sei der Krieg nicht zu stoppen. Unter den Unterzeichnern des beschlossenen Embargos befand sich auch der türkische Präsident Erdogan.

Nachdem die “Bana” Tripolis verlassen hatte, nahm sie Kurs auf Genua. Fünf Seeleute, die sich während der Reise an Bord befanden, sagten in Italien aus, dass tatsächlich Waffen an Bord gewesen waren. Bilder, die von den italienischen Behörden aufgenommen wurden, bestätigen das. Im Laderaum sind deutliche Spuren der Vehikel zu sehen, die zuvor dort abgestellt worden waren.

Die türkische Regierung gab auf eine Nachfrage der “BBC” keine Stellungnahme ab. Neben der Türkei hielten sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate nicht an das vereinbarte Embargo.

Uno-Sonderbotschafter Ghassan Salamé ist angesichts der offenen Verstösse gegen ein eben vereinbartes Embargo im März 2020 zurückgetreten.