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USA bombardiert Somanila

In den ersten vier Monaten diesen Jahres habe die US-Armee in Somalia mehr Luftangriffe durchgeführt als während Obamas gesamter Regierungszeit, berichtet der “Intercept”. Der Aufruf des UN-Generalsekretärs António Guterres zu einen globalen Waffenstillstand blieb ungehört. Seit Jahresbeginn hat das Afrikanische Kommando der Vereinigten Staaten (Africom) 39 Luftangriffe in Somalia bestätigt. Zwischen 2009 und 2017 waren es nur 36.

Seit 2007 kämpfen die USA in Somalia gegen die Terrorvereinigungen Al Shabaab und den sogenannten Islamischen Staat. Die USA wollen dabei vor allem das Erstarken islamistischer Terrororganisationen verhindern, das auf andere Kontinente übergreifen könnte. Die US-Armee setzt sowohl Drohnen wie auch die konventionelle Luftwaffe und Bodentruppen ein. Bei ihren Angriffen kommen immer wieder auch Zivilisten ums Leben. Sie befinden sich dabei aber formal nicht im Krieg.

Der endlose Bürgerkrieg in Somalia

Die Lage in Somalia ist, vorsichtig gesagt, schwierig. Das Land befindet sich seit drei Jahrzehnten im Bürgerkrieg. Es gibt eine 2016 gewählte Regierung, die den 2017 gewählten Präsidenten Mohamed Abdullahi Mohamed im Amt bestätigt hat. Einen funktionierenden Staat aber gibt es nicht. Clan-Rivalitäten, Korruption, extremistische Organisationen und kriminelle Banden verhindern eine funktionierende Verwaltung.

Neben Covid-19 leidet Somalia derzeit unter der zweiten Welle einer aussergewöhnlich starken Heuschreckenplage.

Extremisten nutzen die Pandemie für ihre Zwecke

Die Terrororganisation Al Shabaab, die etwa ein Fünftel Somalias kontrolliert, will dort einen Gottesstaat errichten. Dabei greift die Terrormiliz auch US-Stützpunkte an. Es gibt immer wieder terroristische Anschläge, zuletzt ein Selbstmordattentat Ende Januar 2020. Islamische Extremisten sehen den Corona-Virus als Strafe Gottes für den dekadenten Westen und versuchen die Pandemie für ihre Zwecke zu nutzen.

Hunderttausende Somalierinnen und Somalier sind auf der Flucht, der Grossteil in den Nachbarländern. Die Afrikanische Union hatte mit der “Mission der Afrikanischen Union in Somalia” (Amisom) bis zu 22'000 Soldaten als Friedenstruppen im Einsatz, deren Anzahl mittlerweile auf unter 20'000 gesunken ist. Ende Mai 2020 läuft ihr derzeitiges Mandat aus.

Ermittlung von zivilen Opfern ist aufwendig

Die Ermittlung ziviler Opfer der US-Operationen ist aufwendig. Von der US-Armee werden Tote oft zunächst als “feindliche Kämpfer” gezählt, worüber Infosperber wiederholt berichtet hat.

Die tatsächliche Zahl aller US-Angriffe ist fraglich, da Africom zwar viele, aber nicht alle Angriffe bestätigt. Das “Bureau of Investigative Journalism” (TBIJ), das für das Projekt “Shadow-Wars” eine Datenbank über Drohnenangriffe führt, zählte im gesamten Jahr 2019 zusammen 63 US-Luftangriffe in Somalia. In den ersten zwei Monaten 2020 waren es zwölf Angriffe mit mindestens 14 Toten.

USA bombs Somalia

Seit März 2020 führt die Organisation “Airwars” die Recherche fort. “Airwars” verfolgt den Luftkrieg in Konfliktzonen anhand öffentlich zugänglicher Quellen und versucht nachzuvollziehen, welche Konfliktpartei Angriffe fliegt. Auf einer Übersichtsseite zum US-Krieg in Somalia stellt die Organisation Daten und Zahlen übersichtlich visualisiert vor.

Bis zum 11. Mai 2020 listete die Organisation in diesem Jahr 47 US-Angriffe auf, von denen 39 vom US-Militär bestätigt wurden. In diesem Jahr gab es laut “Airwars”-Recherchen bisher zwischen sechs und elf zivile Todesopfer, die von mindestens zwei Quellen bestätigt wurden, und zwei zivile Opfer, die auf nur eine Quelle zurückgehen.

Im gesamten Jahr 2019 waren 13 Tote wahrscheinlich den US-Luftschlägen zuzurechnen, es gibt vier bis elf bestätigte Opfer. Für zwei weitere zivile Todesfälle hat die US-Armee offiziell die Verantwortung übernommen.

USA bombs Somalia

“Airwars” weist darauf hin, dass sich die erfassten Zahlen nach dem Stand der Recherche fortlaufend ändern können.