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Regime Change in fucking USA

“Solche Bilder aus einem anderen Land – und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis die Amerikaner einmarschieren, um dem Land Frieden und Demokratie zu bringen.” Mit diesem Satz brachte Christian Ehring in seiner Satiresendung “Extra 3” am Donnerstagabend im deutschen Fernsehen ARD die Vorgänge der letzten Tage in Washington gleichermassen treffend wie ironisch auf den Punkt. Sein Sendegefäss heisst ja auch “Der Irrsinn der Woche”. Und die Bilder der Gewalt die die USA seit Ihrer Existenz säten hätte unter keinen Titel besser gepasst.

“Regimechange has come home”

Während Reporter, Korrespondenten und Kommentatoren im weltweiten Medien-Mainstream noch reihenweise um Worte rangen und “nicht glauben” konnten, “was sie da sahen”, hatte Ehring die Ironie der Sache und den Hintergrund der Vorgänge sofort erfasst: Jahrzehnte lang hatten US-Machthaber beider Parteien den Leuten in ihrem Land klar- und vorgemacht, dass und wie man unliebsame Regierungen gewaltsam stürzen oder verhindern kann, und sogar muss. Dies insbesondere, wenn es sich um “kommunistische Regimes” handelte. Und “Kommunisten” oder gar “Terroristen” waren und sind für die Falken in Washington fast alle, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollen.

Nun zeigten Trumps gewaltbereite und teils auch gut bewaffnete “Proud Boys” und Zehntausende ihrer Mitläufer, dass sie diese Lektion gelernt haben. Wieso auch nicht: Die “fucking democrats”, die sich gerade anschickten, die Macht im Land wieder zu übernehmen sind für sie ja auch “fucking communists”. RepublikanerInnen aller Schattierungen hatten das quer durchs Land unter ihren “Trump”-Baseballcaps hervor, seit dem Wahlsieg des Demokraten Joe Biden in alle TV-Kameras und Radio-Mikrophone unablässig beklagt. Mehr noch: Diese Demokraten seien auch noch Betrüger, die Trump (und hinter ihm 74 Millionen US-Citizens) den Wahlsieg “gestohlen” hätten. Dagegen mussten sie doch durchgreifen, “intervenieren” – notfalls auch “robust”. Gewaltsamer Regierungswechsel (oder dessen erzwungene Verhinderung) jetzt halt auch mal im eigenen Land: Regimechange has come home.

Wer Gewalt gewohnheitsmässig vorlebt…

Denn: Wenn “to take down communist governments” gewaltsam in der weiten Welt (seien diese nun gewählt oder nicht) richtig und nötig ist – wieso denn nicht erst recht auch dann, wenn sich diese “Communists” anschicken die Macht im eigenen Land zu “ergaunern”? Und auch der millionenfach nachgeplapperte falsche Vorwand “Wahlbetrug” für die “Intervention” im Kapitol erinnert noch fatal an frühere auf höchster US-Ebene erlogene “Gründe” für Gewalt-Interventionen – von “Restore democracy in Kuwait” bis zu “Weapons of massdestruction” im Irak.

Kurz und ungut: Da imitierten kleine, lokale GewalttäterInnen die grösseren, nobler auftretenden aber nicht weniger rabiaten globalen Gewalttäter an der Spitze ihres Staates. Die MachthaberInnen in Washington haben Jahrzehntelang immer wieder weltweit (von Vietnam über Chile bis nach Panama oder Afghanistan, Irak und Syrien) “Probleme” mit Gewalt und Krieg blutig “lösen” wollen, von denen sie meinten, es seien die ihren. Nun erschrecken und empören sie sich, dass diese ihre aussenpolitisch schon fast Gewohnheit gewordene Gewalt sie plötzlich innenpolitisch im Machtzentrum der USA ereilt – und auf sie zurückfällt. Den gescheiten, deutschen TV-Satiriker Christian Ehring wunderte dieser “Irrsinn der Woche” wenig.