Die Amys und das töten

"Die Schiessereien (dieser Woche) sind nur eine Momentaufnahme der sprunghaft ansteigenden Waffengewalt, die in den letzten Monaten die USA erschüttert hat. Zwischen Samstag, dem 17. Juli, und Freitag, dem 23. Juli, verzeichnete das "Gun Violence Archive mindestens 1.018 Schiessereien, bei denen mindestens 404 Menschen starben und 928 verwundet wurden."

Das Zitat stammt aus einem Bericht des US-amerikanischen Fernsehsenders "ABC News".

Ein anderes Zitat aus dem gleichen Bericht:

"Zur Epidemie der Waffengewalt gehören auch Selbstmorde, die nach Angaben des Justizministeriums die Ursache für etwa 60 Prozent der Todesfälle durch Schusswaffen bei Erwachsenen sind. Im Jahr 2019 starben nach Angaben des "Educational Fund to Stop Gun Violence" durchschnittlich 66 Menschen pro Tag durch Selbstmord mit einer Schusswaffe. Allein in diesem Jahr gab es mehr als 13.500 Selbstmorde durch Schusswaffen, wie die Daten des GVA zeigen."

Und noch eine Stelle:

"Die von ABC News und der GVA durchgeführte Auswertung der Waffengewalt in der vergangenen Woche ergab, dass jede Stunde mindestens 2,4 Menschen getötet und 5,5 Menschen verwundet wurden."

Hier eine andere Stelle des Berichts mit näheren Angaben zum Alter der Opfer. Nicht wenige Opfer der Waffengewalt sind Jugendliche:

"Insgesamt sind im Jahr 2021 bisher mehr als 800 Amerikaner unter 18 Jahren durch Waffengewalt ums Leben gekommen, 174 von ihnen waren jünger als 12 Jahre, wie aus den GVA-Daten hervorgeht."

Und hier drei Stellen zur Frage, wo in den USA am meisten Schiessereien stattfinden:

"Die Auswertung ergab, dass in der letzten Woche praktisch jeder Bundesstaat betroffen war, mit mindestens einem Vorfall im Zusammenhang mit Schusswaffen in 47 Staaten und dem District of Columbia."

"Von allen Bundesstaaten hatte Illinois die meisten Vorfälle von Waffengewalt zu verzeichnen, wobei mindestens 109 Vorfälle im Cook County gezählt wurden. Chicago, die Verwaltungsstadt von Cook County, meldete 104 dieser Vorfälle – etwa 10,2 Prozent der Gesamtzahl in den USA. Nach Illinois meldete Texas mit mindestens 70 die meisten Vorfälle von Waffengewalt, gefolgt von Pennsylvania, New York und Kalifornien, wo es in der letzten Woche mindestens 64, 55 beziehungsweise 53 Schiesserei-Vorfälle gab.

"Bei den Vorfällen mit Todesfolge durch Schusswaffen hatte Texas mit mindestens 39 Todesopfern die höchste Rate zu verzeichnen. Illinois führte mit 141 durch Schusswaffen verletzten Personen die Liste an.

Ungleichheiten bei Waffengewalt

"Zwar ist kein Teil des Landes immun gegen Waffengewalt, doch als ABC News die Daten untersuchte, stellte sich heraus, dass die Gewalt unverhältnismässig häufig in ärmeren städtischen Gebieten auftritt."

Zum gleichen Thema noch eine Stelle:

"Mehr als die Hälfte der Schiesserei-Vorfälle (58,5 Prozent) ereignete sich in den ärmsten Bezirken des Landes, in denen das mittlere Haushaltseinkommen 40.000 Dollar pro Jahr oder weniger beträgt. Etwa 17 Prozent der Schiessereien ereigneten sich in Gebieten, in denen die Menschen mehr als 60.000 Dollar verdienen."

Und hier eine Stelle zur stark wachsenden Zahl von Schiessereien:

"In New York City erklärte der New-York-Police-Department-Kommissar Dermot Shea gegenüber ABC News, dass die Zahl der Schiessereien im Mai 2021 im Vergleich zur gleichen Zeit des Vorjahres um 73 Prozent gestiegen sei. Auf die Frage, ob die Menschen dreist genug seien, Waffen zu tragen, sagte er: Ich glaube nicht, dass es daran einen Zweifel gibt. … Die Daten hier in New York City zeigen, dass es mehr Waffen am Tatort gibt und dass auch mehr Schüsse abgefeuert werden."

Auch die Covid-Pandemie hat zu mehr Schiessereien geführt:

"Zu den Faktoren, die zum Anstieg der Waffengewalt beitragen, gehören laut Shea unter anderem Bandenkriminalität, Budgetkürzungen bei der Polizei und COVID-19-Shutdowns im Gerichtssystem, die einen Rückstau von mehr als 5’000 Waffenvorfällen verursacht haben."

Einzelne Schiessereien haben schon fast Tradition:

"Am Mittwoch wurden in Philadelphia, wo die Zahl der Todesfälle durch Schusswaffen in diesem Jahr bereits 300 überschritten hat, drei Jugendliche angeschossen – zwei von ihnen erlagen ihren Verletzungen. Als ABC News mit der Polizei von Philadelphia sprach, wies diese immer wieder auf Strassen hin, in denen früher schon Schiessereien stattgefunden hatten."

Die Ursachen der Schiessereien sind oft Bagatell-Streitfälle:

"Später in der Nacht wurde eine Person vor den wohl berühmtesten Käsesteak-Restaurants in Philadelphia, Pat’s und Geno’s, erschossen. Die Polizeipräsidentin von Philadelphia, Danielle Outlaw, erklärte gegenüber ABC News, die Schiesserei sei auf einen Parkplatzstreit zurückzuführen."

Und was sollte gegen diese Schiessereien getan werden?

"Ich bin es leid, Mahnwachen abzuhalten, sagte Stuart Anderson in Suitland, Maryland, gegenüber ABC News. Wenn derjenige, der mein Enkelkind erschossen hat, die Waffe nicht gehabt hätte, wäre mein Enkelkind jetzt noch hier. Wir müssen diese Waffen von den Strassen schaffen."

Das ist die Situation in den USA, in diesem Land, das auf seine Freiheiten besonders stolz ist.

Hat man in deutschen oder Schweizer Medien über diesen dramatischen Anstieg der Schiessereien mit immer mehr Opfern lesen können?